Streit um neue Gaskraftwerke

In einem solchen Gaskraftwerk werden Wärme und Strom erzeugt.

Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die Regierung will neue Kraftwerke bauen lassen, damit das Land immer genug Strom hat.

In Deutschland soll in den nächsten Jahren immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Wind und Sonne, kommen. Spätestens im Jahr 2038 soll das letzte Kohlekraftwerk schließen. Es könnte aber auch schon früher sein. Nun kann aber ein Problem entstehen: Wenn über einen längeren Zeitraum die Sonne nicht scheint und kein Wind weht – woher kommt dann unser Strom? Dazu gibt es unter den Politikerinnen und Politikern verschiedene Meinungen.

Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat einen Plan: Deutschland soll neue Gaskraftwerke bekommen. Die Regierung hat beschlossen, noch in diesem Jahr den Bau von Kraftwerken auszuschreiben. Das bedeutet: Firmen dürfen sich bewerben, um diese Kraftwerke zu bauen. Bis 2031 sollen sie fertig sein. Der Grund für die Entscheidung ist: Nach und nach werden immer mehr Kohlekraftwerke abgeschaltet.
Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint

Gaskraftwerke können sehr schnell anspringen – fast wie ein Lichtschalter. Wenn also gerade kein Wind weht und keine Sonne scheint, liefern sie zuverlässig Strom. Das nennt man Versorgungssicherheit. Außerdem stoßen sie weniger klimaschädliche Stoffe aus als alte Kohlekraftwerke. Später sollen die Kraftwerke auf Wasserstoff umgestellt werden, der noch sauberer ist.

Die Gaskraftwerke sollen nicht ständig Strom produzieren, sondern nur im Notfall. Sie verdienen deswegen nicht genug Geld von allein. Deshalb brauchen sie Geld vom Staat. Sogar die EU musste zustimmen, dass Deutschland das Geld ausgeben darf. Kritiker sagen: Das sind Milliarden Euro, die in klimaschädliche Kraftwerke fließen. Außerdem sei Deutschland dann von Gaslieferungen aus dem Ausland abhängig.

Viele Menschen sind gegen die neuen Gaskraftwerke. Bei einer Demonstration gingen gerade Tausende auf die Straße. Organisationen wie Greenpeace, BUND und Fridays for Future warnen: Gas heizt die Klimakrise weiter an. Sie nennen den Plan einen „klimapolitischen Rückschritt“.

Viele Forschende sowie Umweltschützerinnen und Umweltschützer sagen: Man sollte das Geld lieber dafür nutzen, riesige Batteriespeicher zu bauen. Batterien können überschüssigen Wind- und Sonnenstrom speichern und ihn genau dann abgeben, wenn er gebraucht wird – ganz ohne klimaschädliches Gas. Die Produktion von Batterien wird immer günstiger. So könnte man die Energiewende schneller voranbringen und langfristig die Stromkosten für alle niedrig halten.