Kicken mit rasselndem Ball

Blindenfußballer Michel spielt mit einem besonderen Ball: In dem sind Rasseln eingebaut.
Foto und Interview: Tanja Liebmann-Décombe
Michel ist mit einer sehr starken Sehbehinderung auf die Welt gekommen. Er ist sehr sportlich. Schon in der Grundschule hat er gerne im Hof gekickt. Doch wie können Blinde Fußball spielen und Tore schießen? CHECKY! hat mit dem Zwölfjährigen gesprochen.
Checky: Wann hast du zum ersten Mal erfahren, dass es Blindenfußball gibt?
Michel: Meine Mutter hat mir davon erzählt. Das war im Sommer 2024. Feuer und Flamme war ich erstmal nicht. Ich finde Fußball richtig cool – aber unter Blindenfußball konnte ich mir nicht so recht etwas vorstellen. Als ich es ausprobiert habe, war ich aber total begeistert!
Warum?
Ich hab schon zuvor gerne Fußball gespielt und schnell gemerkt, dass mir Blindenfußball noch mehr liegt. Der Teamgeist beim Blindenfußball ist wirklich toll. Dort kann man sich, wie man so schön sagt, blind auf den anderen
verlassen.
Was ist wichtig, um ein guter Blindenfußballer zu sein?
Man darf nicht immer sein eigenes Ding machen wollen. Egoisten sind hier fehl am Platz. Und man muss auf jeden Fall gut hören können. Unter anderem, um zu wissen, wo auf dem Feld sich gerade der Ball befindet.
Wie kannst du denn den Ball „hören“?
Beim Blindenfußball spielen wir mit einem besonderen Ball. In ihm sind Rasseln eingebaut. Sobald er sich bewegt, rasselt er. Wir Blindenfußballer schauen also nicht nach dem Ball, sondern wir hören nach dem Ball. Wir haben alle ein sehr gutes Gehör. So können wir uns ein Bild vom Spielgeschehen machen.
Und wie schaffst du es, nicht mit deinen Mitspielern zusammenzustoßen?
Das ist manchmal gar nicht so einfach. Zwar gibt es die Regel, „Voy“ zu rufen, wenn man sich einem Gegenspieler nähert. Aber wir sehen ja nichts und so kommen Zusammenstöße immer mal wieder vor – vor allem, wenn man den Ausruf vergisst. „Voy“ ist spanisch und heißt so viel wie „ich komme“.
Und woher wisst ihr, wo das Tor ist?
Bei Freistößen zum Beispiel wird an die Tor-Pfosten geklopft, so dass wir hören, wo die rechte und die linke Seite vom Tor ist.
Der Torwart kann aber sehen, oder?
Ja, genau. Und auch die sogenannten Guides können sehen. Sie geben den vier Feldspielern durch Zurufe oder eben das Klopfen an die Pfosten eine Orientierungshilfe. Die Feldspieler tragen bei Turnieren übrigens immer Augenpflaster und eine Dunkelbrille.
Warum?
Das dient dazu, absolute Chancengleichheit herzustellen. Alle im Team haben dann unabhängig von ihrem Sehvermögen die gleichen Bedingungen und sehen absolut nichts.
Worin bestehen für dich die größten Unterschiede zum „normalen“ Fußball?
Beim Blindenfußball ist das Feld kleiner und von einer Bande begrenzt, die Spielzeit ist kürzer und der Torwart darf nicht aus seinem Zwei-Meter-Raum herauskommen. Außerdem fallen beim Blindenfußball mehr Tore und es gibt mehr Körperkontakt. Ich finde, die Sportart hat Ähnlichkeiten mit Rugby.
Was war dein bisher größter sportlicher Erfolg?
Bei einem Trainingsspiel habe ich mal fünf Tore geschossen. Das hat mich sehr gefreut!


